Wandern mit Hund



  • Wandern mit Hund macht in den Alpen besonders viel Spaß. Natürlich gibt es gerade für ungeübte Geher unter den vierbeinigen Freunden auch einiges zu beachten. Wir haben die Tierheilpraktikerin Stefanie Kilger aus Philippsreuth (Bayerischer Wald) gefragt, was beachtet werden muss, damit der Ausflug mit Hund zum ungetrübten Vergnügen wird. Das Interview habe ich 2016 geführt. Es ist in meinem Krimi-Wanderführer Bayerischer Wald (ISBN: 9-783-94392614-9) erschienen. Infos zu meinen Büchern unter: Golbet Verlag.


    Was muss ich grundsätzlich bedenken, wenn ich mit meinen Hunden wandern gehe?


    In den Alpen spielt die Kondition eine nicht unbedeutende Rolle. Ich merke das sehr oft an geführten Hundewanderungen. Viele sind zunächst guter Dinge was die Kondition von Hund und Herrchen betrifft, sind dann aber doch oft überrascht, wie anstrengend eine Tour werden kann. Doch natürlich gibt es zahlreiche Ausweichstrecken für jede körperliche Verfassung. Ein zweiter Aspekt ist das rauere Klima, vor allem im Herbst und Winter. Viele kurzhaarige Hunde sind da über einen Mantel ganz froh. Das betrifft hauptsächlich Hunde ohne Unterwolle .


    Was gehört ins Wandergepäck?


    Trinkwasser für den Hund. Zwar lieben es Hunde aus Bächen oder Seen zu trinken, man kann aber nicht immer im Vorhinein abschätzen, ob geeignete Trinkmöglichkeiten für den Vierbeiner vorhanden sind. Bei machen Gewässern kann man sich auch nicht sicher sein, ob das Wasser aufgrund von Verunreinigungen zum Trinken geeignet ist. Vor allem aus stehenden Gewässern, Tümpeln oder Pfützen sollten Hunde nicht trinken. Hier ist die Gefahr der Infektion mit Letospirose für den Hund sehr groß. Besonders Pfützen und Tümpel können mit Urin von „Zwischenwirten“ – also erkrankten Ratten, Mardern, Füchsen und anderem Kleingetier - verseucht sein. Der Krankheitsverlauf ist oft kurz und führt trotz Behandlung in 50 Prozent der Fälle zum Tod. Das Problem: Die Symptome sind sehr unspezifisch – was die Diagnose oft schwer macht. Bei Verdacht muss der Hund unbedingt sofort zum Tierarzt! Es gibt inzwischen tolle Trink-Utensilien, wie mobile faltbare Trinknäpfe oder Flaschen mit angebrachten ausklappbaren Schalen, die man auch wieder gut im Rucksack verstauen kann. Wichtig sind auch Gassitüten um die Hinterlassenschaften unserer Fellnasen zu entsorgen. Bei längeren Touren kann auch ein Erste-Hilfe-Päckchen angezeigt sein, um den Hund verbinden zu können, falls er sich eine Verletzung zugezogen hat. In vielen Zoogeschäften, findet man hier bereits fertig gepackte kleine Tasche die nicht all zu viel Platz im Wandergepäck wegnimmt.


    Gibt es Anzeichen, dass mein Hund "genug" hat, eventuell sogar überfordert ist? Wie wichtig sind Pausen?


    Dazu muss ich grundsätzlich sagen: Der Hund sollte mindestens sechs Monate alt sein, bevor er Sie auf einer kürzeren Wanderung begleiten darf, soll der junge Hund trotzdem mit, kann man in vorher eventuell daran gewöhnen ihn ein Stück im Rucksack mitzunehmen. Das muss der Hund allerdings vorher lernen, damit man den Hund nicht unnötig stresst. Mit längeren Touren sollte man warten, bis der Hund mindestens ein Jahr alt ist. Überfordern Sie Ihren Hund nicht! Unternehmen Sie nur Wanderungen, die dem Alter und der Kondition Ihres Hundes angepasst sind. Das kann individuell abhängig von Rasse und Größe des Hundes sehr unterschiedlich sein. Im Zweifelsfall entscheiden Sie sich besser erstmal für eine kürzere Tour zum Ausprobieren, achten Sie hier genau auf Ihren Hund. Viele Hunde neigen dazu sich zu überfordern. Falls Sie merken, dass Ihr die Bewegungen Ihres Hundes anders sind als sonst sollten Sie vorsichtig werden. Auch Pausen sind wichtig. Hier ist natürlich auch das Alter, der Gesundheitszustand sowie die Kondition des Hundes Ausschlag gebend. Im Zweifel, den Tierarzt oder Tierheilpraktiker fragen. Generell sollte man den Hund zuvor an lange Wanderungen gewöhnen und die Gehzeiten langsam steigern. Man kann von keinem „Stadthund“ der zweimal am Tag für eine halbe Stunde im Park spazieren geht verlangen, plötzlich lange Touren in den Alpen zu laufen.


    Morgens, mittags, nachmittags, wann ist die beste Wanderzeit mit Hund?


    Die beste Wanderzeit für den Hund ist natürlich auch abhängig von Jahreszeit und Witterung. An heißen Tagen, sollte man die Mittagshitze generell meiden. Hier bietet sich an, in den sehr frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag/Abends in der Dämmerung zu wandern. Auch kann man an heißeren Tagen in den doch etwas kühleren Wald ausweichen, wo man z. B. im Schatten wandern kann.


    Gibt es giftige Pflanzen am Wegesrand? Wenn ja, was tue ich, wenn der Hund davon frisst?


    Eine detaillierte Auflistung würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen, da es sehr viele unterschiedliche Giftpflanzen gibt. Damit könnte man ganze Bücher füllen. Die häufigsten im Bayerischen Wald vorkommenden sind z. B. Blauer Eisenhut, Maiglöckchen, Goldregen, Schneeglöckchen. Hat man den Verdacht, dass er an etwas gefressen haben könnte, sollte man auf dem schnellsten Weg zum Tierarzt. Am besten immer ein Stück der Pflanze mitnehmen, an der der Hund gefressen hat. Auskünfte erteilen auch Giftnotruf-Zentralen, z. B. Giftnotruf München, Ismaninger Straße 22, 81675 München, Tel.089/19240.



    Große Teile der Alpen sind Zeckengebiet, was muss ich beachten?

    Hat man bei seinem Hund eine angesaugte Zecke gefunden, sollte man diese auf schnellstem Weg mit einer Zeckenzange (gehört auch ins Wandergepäck) vorsichtig aus der Haut ziehen. Leichte Drehbewegungen – die Richtung ist dabei entgegen der landläufigen Meinung völlig egal – können helfen, Zecke aber nicht quetschen. Um mit noch einem Märchen aufzuräumen: Auf keinen Fall Öl oder Nagellack verwenden. Das führt nur dazu, dass die Zecke imTodeskampf nur noch mehr Giftstoffe in die Wunde ausspült. Den Hund nach jedem Spaziergang genau auf Zecken durchsuchen. Viele Zecken irren noch einige Stunden auf dem Tier hin und her bevor die richtige Bissstelle gefunden ist. Geheim-Tipp: man kann den Hund mit einer klebirgen Fuselrolle abrollern. Die Zecken, die sich noch nicht angesaugt haben und noch durchs Fell irren bleiben einfach an dem klebrigen Film der Fuselrolle hängen. Zur Zeckenabwehr gibt es viele Möglichkeiten und Präparate. Die sogenannten chemischen Spot-On-Präperate vertragen viele Hunde nicht. Es kann sogar zu sogar Leber- und Nierenschäden führen. Ähnlich verhält es sich mit Tabletten. Grundsätzlich gilt: Vor der Anwendung gründlich informieren. Besser geeignet sind natürliche Mitteln, z. B.: Hundehalsbänder aus Bernstein, Bierhefetabletten, Natürliche
    aromatische Stoffe zum Auftragen, Kokosöl, Futterzusätze. Generell kann man hier keine Aussage über das hilft und das hilft nicht treffen. Jeder Hund ist anders, hat zum Beispiel andere Ausdünstungen. Hier muss man sich herantasten, was bei seinem Hund gut hilft und was weniger hilfreich ist. In meiner Praxis erziele ich sehr gute Erfolge mit speziellen hochreinen ätherischen Ölen.


    Zur Person: Stefanie Kilger, Geboren 1983 in Passau, geprüfte Tierheilpraktikerin (Studium an der Deutschen Paracelsus

    Schule Passau).


    Sie sagt über ihre Arbeit: Ich habe mich dazu entschlossen meine Praxis mobil zu betreiben, um die Tiere in Ihrer gewohnten Umgebung frei von Transport-Stress und Fremdgerüchen zu erleben. Zu meiner Arbeit in der Tierheilpraxis haben sich zwischenzeitlich geführte Wanderungen mit Hund sowie eine Dozententätigkeit an den Lehrinstituten für Tierheilpraktiker gesellt.


    Kontakt: Unterlichtbuchetstr. 1, 94158 Philippsreut, Tel. 0160/97981521, Mail: Steffi Kilger



    Fotos: privat